Bevor eine Hilfe beginnt, lohnt sich eine kurze Klärung: Worum geht es, wer wünscht sich was, und worauf könnt ihr euch gemeinsam verständigen?
Eine Familie sitzt dir gegenüber. Die Mutter erzählt von der Schule, der Vater von den durchwachten Nächten, die Tochter schaut aus dem Fenster. Nach zehn Minuten arbeitest du an drei Aufträgen gleichzeitig, und ausgesprochen wurde keiner.
Auftragsklärung hält genau hier inne und stellt eine einzige Frage: Wer will was von wem? Damit wird der Auftrag von außen unterscheidbar von dem, was die Person selbst möchte, ihrem Anliegen. Und aus einem Anliegen wird erst dann ein gemeinsamer Auftrag, wenn ihr euch darauf verständigt.
Du brauchst nur ein Gespräch, oft reichen zwanzig Minuten. Ein Blatt für Notizen hilft.
Kontext„Bevor wir loslegen, sag ich dir, was ich über den Anlass weiß und wie ich meine Rolle hier sehe.“
Erwartungen der anderen„Was glaubst du, was sich die anderen Beteiligten von unserer Arbeit erhoffen?“
Eigenes Anliegen„Und du selbst, was wäre für dich am Ende ein gutes Ergebnis?“
Zurück zu der Familie vom Anfang. Du fragst dich durch die Erwartungen: Die Schule will weniger Fehltage, der Vater will ruhige Abende, die Tochter will, dass ihr jemand glaubt. Aus diesen Erwartungen und ihrem Anliegen wird ein gemeinsamer Auftrag, dem alle zustimmen können: einen Weg finden, wie die Tochter sich gehört fühlt und der Schulalltag wieder trägt.
Denk an einen aktuellen Fall. Wer hat die Hilfe angestoßen, und weißt du schon, was die Person, um die es geht, sich für sich selbst wünscht?
Wünscht sich die Person noch nichts, nimm das ernst und bleib neugierig. In de Shazers Sinn ist das eine Besucherin, ein ehrlicher Ausgangspunkt, mit dem ihr arbeiten könnt. Frag, was sich ändern müsste, damit die gemeinsame Zeit sich für sie lohnt.
Wenn die Hilfe von außen angeordnet ist, verschweig das nicht. Benenne klar, was nicht verhandelbar ist, und kläre zugleich, was die Person trotzdem mitgestalten kann. Echte Auftragsklärung erfindet keine Freiwilligkeit, wo keine ist.
Auftragsklärung beantwortet eine Frage, bevor die Arbeit beginnt: Wer will hier was von wem? Wer das offen ausspricht, holt die Person als Mitgestalter an den Tisch.