Fach·Puls
Methode · Soziale Arbeit
Fortbildungsreihe Systemik im Alltag

Die Auftragsklärung

Klären, woran ihr eigentlich arbeitet

Bevor eine Hilfe beginnt, lohnt sich eine kurze Klärung: Worum geht es, wer wünscht sich was, und worauf könnt ihr euch gemeinsam verständigen?

Worum es geht

Alle reden, keiner über dasselbe

Eine Familie sitzt dir gegenüber. Die Mutter erzählt von der Schule, der Vater von den durchwachten Nächten, die Tochter schaut aus dem Fenster. Nach zehn Minuten arbeitest du an drei Aufträgen gleichzeitig, und ausgesprochen wurde keiner.

Auftragsklärung hält genau hier inne und stellt eine einzige Frage: Wer will was von wem? Damit wird der Auftrag von außen unterscheidbar von dem, was die Person selbst möchte, ihrem Anliegen. Und aus einem Anliegen wird erst dann ein gemeinsamer Auftrag, wenn ihr euch darauf verständigt.

So gehst du vor

Von vielen Erwartungen zu einem Auftrag

Du brauchst nur ein Gespräch, oft reichen zwanzig Minuten. Ein Blatt für Notizen hilft.

1
Den Kontext klären. Wer hat die Hilfe angestoßen, wer sitzt mit am Tisch, in welchem Rahmen arbeitet ihr?
2
Die Erwartungen sammeln. Was wünscht sich jede beteiligte Seite von dieser Zusammenarbeit, auch das, was niemand laut ausspricht?
3
Das eigene Anliegen finden. Was möchte die Person, um die es geht, für sich selbst?
4
Den gemeinsamen Auftrag aushandeln. Wo treffen sich Anliegen und Erwartungen zu etwas, dem ihr beide zustimmt?
5
Den Rahmen festhalten. Woran arbeitet ihr, was ist verbindlich, und woran merkt ihr, dass sich etwas bewegt?
Im Gespräch · So könntest du es sagen

Kontext„Bevor wir loslegen, sag ich dir, was ich über den Anlass weiß und wie ich meine Rolle hier sehe.“

Erwartungen der anderen„Was glaubst du, was sich die anderen Beteiligten von unserer Arbeit erhoffen?“

Eigenes Anliegen„Und du selbst, was wäre für dich am Ende ein gutes Ergebnis?“

So sieht es aus

Zurück zu der Familie vom Anfang. Du fragst dich durch die Erwartungen: Die Schule will weniger Fehltage, der Vater will ruhige Abende, die Tochter will, dass ihr jemand glaubt. Aus diesen Erwartungen und ihrem Anliegen wird ein gemeinsamer Auftrag, dem alle zustimmen können: einen Weg finden, wie die Tochter sich gehört fühlt und der Schulalltag wieder trägt.

Für deinen Fall

Denk an einen aktuellen Fall. Wer hat die Hilfe angestoßen, und weißt du schon, was die Person, um die es geht, sich für sich selbst wünscht?

Wenn es hakt

Wenn keiner einen Auftrag nennt

Wünscht sich die Person noch nichts, nimm das ernst und bleib neugierig. In de Shazers Sinn ist das eine Besucherin, ein ehrlicher Ausgangspunkt, mit dem ihr arbeiten könnt. Frag, was sich ändern müsste, damit die gemeinsame Zeit sich für sie lohnt.

Wenn die Hilfe von außen angeordnet ist, verschweig das nicht. Benenne klar, was nicht verhandelbar ist, und kläre zugleich, was die Person trotzdem mitgestalten kann. Echte Auftragsklärung erfindet keine Freiwilligkeit, wo keine ist.

Auftragsklärung beantwortet eine Frage, bevor die Arbeit beginnt: Wer will hier was von wem? Wer das offen ausspricht, holt die Person als Mitgestalter an den Tisch.

Inhaltliche Grundlage: das Kontextmodell der Auftragsklärung („Wer will was von wem“), die Unterscheidung von Anliegen, Auftrag und Kontrakt, die Klient:innen-Typologie nach Steve de Shazer (Besucher, Klagende, Kunde) und die Arbeit im Zwangskontext nach Marie-Luise Conen und Gianfranco Cecchin. Abgeglichen mit dem socialnet-Lexikon. Die Schrittfolge ist unsere didaktische Aufbereitung dieser Modelle. FachPuls Methode, Stand Juni 2026.