Eine einfache Zeichnung macht in zwanzig Minuten sichtbar, wer einem jungen Menschen Halt gibt, wo Belastung sitzt und welche Ressource noch ungenutzt ist.
Ein Jugendlicher zählt im Gespräch schnell auf, wer ihn alles nervt. Wer ihm guttut, sagt er nicht von allein. Das Umfeld bleibt eine vage Ahnung.
Die Netzwerkkarte holt dieses Geflecht aufs Papier. Sie zeigt Nähe und Distanz und macht erkennbar, welche Beziehungen tragen und welche belasten. Aus einem vagen Eindruck wird eine gemeinsame Arbeitsgrundlage, auf die ihr euch beziehen könnt.
Du brauchst nur Papier und Stifte und rund fünfzehn Minuten, allein mit der Person oder mit der Familie.
Einstieg„Magst du mir dein Umfeld einmal aufmalen? Du entscheidest, wer drauf kommt und wie nah."
Nachfragen„Wer auf dem Blatt würde als Erstes merken, wenn es dir nicht gut geht?"
Weiterdenken„Wen hättest du gern näher dabei, und was bräuchte es dafür?"
Ein 14-Jähriger in der Wohngruppe zeichnet die Oma groß und nah, die Mutter klein und weit weg, einen Kumpel direkt daneben. Auf einmal liegt offen, dass die Oma die tragende Figur ist. Im Hilfeplan wird sie zur Schlüsselperson, an die vorher niemand gedacht hatte.
Nimm einen jungen Menschen, mit dem du gerade arbeitest. Wer käme groß und nah aufs Blatt, wer klein und weit weg? Und zu wem würdest du die festeste Linie ziehen?
Trägt sie nur wenige Menschen ein, bleib neugierig und frag weiter. Wer hat früher dazugehört? Gibt es ein Tier, einen Online-Kontakt, jemanden aus der Schule? Mit zirkulären Fragen holst du auch die ins Bild, die nicht von allein aufs Blatt kommen.
Die Karte zeigt, wie die Person ihr Netz heute sieht. Nimm das an, wie es kommt, und werte nicht. Kläre vor jeder Ablage, was mit dem Blatt geschieht. Vertrauen und Datenschutz gehen vor.
Die Netzwerkkarte verwandelt einen vagen Eindruck vom Umfeld in eine sichtbare, gemeinsame Landkarte. Wer das Netz sieht, findet die Menschen, die schon da sind.